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Estere in Deutschland
Mitte September 2006 ist Estere in der Universitätsklinik Tübingen angekommen, in der mit Hilfe der Megatherapie seit langem krebskranke Kinder geheilt werden. Zunächst wurden von Esteres Knochenmark die blut- und leukozytenbildenden Stammzellen entnommen. Dies ist notwendig, da durch die Hochdosischemotherapie das Knochenmark normalerweise mit zerstört wird. Durch die Rückgabe der Stammzellen nach der Hochdosischemotherapie können sich dann wieder neue Zellen bilden. Die Zellen wurden nach der Entnahme aufbereitet, tiefgefroren und bis zur Transplantation aufbewahrt. Vor der Megatherapie bekam Estere noch einen Chemotherapieblock, um den Tumor, der mittlerweile wieder größer geworden war, zu reduzieren. In den ersten Novembertagen begann dann der riskanteste und schwerste Teil der Behandlung. Zuerst wurde eine MIBG- Therapie durchgeführt. Dabei wurde Estere ein speziell radioaktiv markiertes Jod gespritzt, das sich zu über 80% im Tumorgewebe anreichert und den Tumor von innen zerstören soll. Dieses Verfahren ist sehr effizient in der Behandlung von Neuroblastomen. Leider liegt die Schattenseite dieser Therapie darin, dass der Patient während der gesamten Behandlungsdauer radioaktiv belastet ist, weshalb er in einem isolierten Raum untergebracht wird, in dem der Zutritt für Besucher nur für einige Stunden pro Tag erlaubt ist. In der darauf folgenden Woche begann dann die Megatherapie. Diese besteht aus einer Hochdosischemotherapie, bei der dem Patienten eine deutlich höhere Menge an Chemotherapeutika verabreicht wird, als bei einer normalen Chemotherapie. Die Therapie soll die Kebszellen zerstören, sie greift allerdings leider auch das Knochenmark und andere Zellen stark an. Diese Therapie dauerte acht Tage. In dieser Zeit verbrachte Estere die meiste Zeit im Bett, da die Medikamente den Körper sehr schwächen. Estere fand jedoch immer wieder die Kraft, von Zeit zu Zeit zu spielen, obwohl sie sich während der gesamten Zeit in ihrem Zimmer aufhalten musste und nicht in das Kinderspielzimmer der Klinik gehen und sich mit anderen Kindern treffen durfte. Im zweiten Schritt der Megatherapie bekam Estere ihre aufbereiteten Zellen zurück. Ihr Körper nahm die aufgetauten Zellen zur Freude der Eltern und Ärzte sehr gut an. Leider kam es einige Tage nach der „Transplantation” zu Problemen. Esteres einzige Niere, da ja die andere bereits im letzten Jahr auf Grund des Tumors entfernt werden musste, arbeitete nicht mehr ordentlich, wodurch sich Flüssigkeit in ihrem Körper einlagerte. Als Folge fiel es Estere immer schwerer, zu atmen und sie musste auf die Intensivstation verlegt werden, wo sie beatmet wurde und eine Dyalise, eine so genannten Blutwäsche bekam. Die Dialyse klappte sehr gut, so dass sich ihr Zustand in den folgenden zwei Wochen besserte. Die Niere hat wieder angefangen zu arbeiten und Estere atmet wieder selbst. Mittlerweile ist ein Jahr vergangen seit der Megatherapie und der Stammzelltransplantation in Tübingen. Estere brauchte viel Kraft und Geduld, um wieder auf die Beine zu kommen und dies sowohl im direkten, als auch im übertragenden Sinn!
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